Gallus Theater Programm: Ensemble 9. November mit Trilogie des Wahnsinns auf halber Strecke

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Trilogie des Wahnsinns auf halber Strecke



Ensemble 9. November

»Trilogie des Wahnsinns auf halber Strecke«

Musiktheater nach Texten von Daniil Charms, Margaret Atwood und Ivana Sajko

Freitag, 13.05.11 20.00 Eur 15/11
Sonntag, 15.05.11 20.00 Eur 15/11

In seiner neuesten Inszenierung beschäftigt sich das Ensemble 9. November mit Texten von Daniil Charms, Margaret Atwood und Ivana Sajko. Der dreiteilige Abend beginnt mit einem Film: Die skurrilen Ereignisse zweier Kurzgeschichten von Daniil Charms, die die Willkür und Unberechenbarkeit einer durch Zensur geknebelten Gesellschaft symbolisieren, inszeniert Helen Körte mit Schauspielern ihre Ensembles als Kurzfilm. Charms war ein Vorreiter des russischen Surrealismus/Dadaismus, ein Satiriker jüdischer Herkunft, dessen Texte erst Jahrzehnte nach seinem Tod gedruckt und bekannt wurden. Er vergaß in seinen Erzählungen - wie den hier verwendeten »Schicksal der Frau eines Professors« und »Schmutzige Persönlichkeit« aus der Sammlung »Geschichten von Himmelkumov« - nie das Lachen. Seine wahnwitzigen Plots zelebrieren den Unsinn als Lebensform, stets getragen von einer tragikomischen Komponente. Dieser heiter-ironische Grundton soll auch im Film transportiert werden.

Teil 2 basiert auf vier Kurzgeschichten aus dem Band »Gute Knochen« von Margaret Atwood. Darin schildert die "Grande Dame" der kanadischen Literatur lakonisch und witzig die höchst abstrusen Welten des Alltags und stellt ihn in ihren Gedankenspielen immer wieder lustvoll auf den Kopf. Mensch und Tier befinden sich in gemütlicher Nähe zueinander. Es sind metaphernartige Snapshots menschlichen Verhaltens, vertreten z.B. durch ein Hühnerkollektiv, Fledermäuse im Krieg, den Engel des Selbstmords sowie Bastelanleitungen und Backrezepte zur Herstellung eines Mannes. Ein kleines Panorama lustvollen Wahnsinns auf halber Strecke, begleitet von Stimmen aus der »Carmina Burana«.

»Bombenfrau« von Ivana Sajko schildert in wortgewaltigem und fulminantem Stil die Geschichte der Protagonistin, die eine Bombe unter ihrer Brust trägt. Sie wird ständig von der Autorin beobachtet, in einer alles umfassenden poetisch-suggestiven Sprachkraft, die wiederum ein in sich kreisender Spagat zwischen Leben und Tod darstellt. Allerlei ilustre Personen, Masken des Alltags, bevölkern im fliegenden Wechsel die SDzenerie, Agenten und Zeugen eines eindringlichen Geschehens. Ivana Sajko ist eine Autorin und Regisseurin aus Zagreb, Kroatien, (Verlag der Autoren) die hierzulande noch weitgehend unbekannt ist.

Zur Premiere schrieb Stefan Michalzik in der FR: »Mit der Zeit fragt man sich, wie es sein kann, dass eine solche Fülle von Bildern in einen Theaterabend passt...Das Ensemble 9. November hat von Anbeginn aus einer Verbindung von Theater, Musik, Tanz und skulpturalen Objekten opulente Entwürfe geschöpft...Das zu einem Gutteil neu besetzte Ensemble.... - erweist sich als enorm frisch und das multiinstrumentalistisch agierende Duo um den Komponisten und Gitarristen Martin Lejeune und den Akkordeonisten Jens Hunstein changiert musikalisch vom Barock bis zum Rhythm'n Blues. Die Kunst ist beim Ensemble 9. November noch im klassischen Sinne eine heitere. Nicht ohne Tiefe, aber leichtfüßig.«

Regie: Helen Körte
Darsteller: Jens Böke, Wilfried Fiebig, Willi Forwick, Ruth Klapperich, Elvira Plenar, Verena Specht-Ronique, Claudio Vilardo
Musik: Martin Lejeune (Theater), Elvira Plenar (Film), Jens Hunstein
Gesang: Dzuna Kalnina, Verena Specht-Ronique
Bühne/Objekte: Wilfried Fiebig
Film: Jörg Langhorst
Kostüme: Margarete Berghoff
Licht: Johannes Schmidt, Wilfried Fiebig
Fotos: Sabine Lippert