Gallus Theater Programm: I Terroni mit Wo bitte geht es nach Caltanisetta

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Wo bitte geht es nach Caltanisetta

caltani 

I Terroni

»Wo bitte geht es nach Caltanisetta«

Donnerstag, 03.02.1983 20.30
Freitag,    04.02.1983 20.30
Samstag,    05.02.1983 20.30
Donnerstag, 10.02.1983 20.30
Freitag,    11.02.1983 20.30

Sizilien, das ist griechischer Geschäftssinn, gepaart mit Gefühl für Schönheit, arabischer Empfindsamkeit gegenüber Frauen und undurchsichtigen Geschäften, die noch dazu auf höchst gewalttätige Art von der Mafiakontrolliert werden. Hinzu kommen das jahrhundertealte Engagement der katholischen Kirche und die Macht, die die italienische Mamma noch immer in der Familie ausübt. Das jedenfalls erläutert der Fremdenführer, mit dessen Hilfe sich Anton in der ihm unbekannten Welt zu orientieren versucht. Anton stammt aus Deutschland, ist als Tourist unterwegs und sammelt so seine Erfahrungen, die ganz dem Klischee der berühmt-berüchtigten Insel entsprechen. Sein Auto erleidet Schaden auf einer der unwegsamen Straßen, seine Tasche wird ihm gestolen, und er verliert auch noch sein letztes bißchen Kleingeld bei einem nicht ganz sauberen Geschäft.

Das Teatro Siciliano, aus dem Zelt auf der Quäkerwiese in das eigene Domizil an der Krifteler Straße zurückgekehrt, spielt wieder Theater in der gewohnten Weise. Aus dem Rollenspiel werden kleine improvisierte Szenen entwickelt, die in erster Linie dem Temperament der Spieler entsprechen und vor allem in direktem Bezug zum Leben der jungen Italiener stehen. Sogar eine neue Gruppe mit Namen »I Terroni«, als liebevoll gemeintes Schimpfwort auf die sizilianischen Bauern und Viehzüchter, hat sich gebildet.Sie wird nun unter Leitung von Klaus Trebes, einem ehemaligen Mitglied des nicht mehr existierenden Karl Napp's Chaostheater, regelmäßig im Galluszentrum neben »I Macap« und anderen freien Gruppen zu sehen sein. Ob Anton ein echter Deutscher ist oder Angehöriger der zweiten Generation ausländischer Arbeitnehmer, spielt dabei nicht die entscheidende Rolle. Wichtiger ist es, Pauschalurteile und Erlebnisse gegeneinander abzuwäbgen und zu einem wirklichen Kontakt mit Menschen zu kommen, der dann auch in ein Respektieren ihrer anderen Art zu leben einmünden kann.

Die jungen Italiener, bei denen diesmal auch Mädchen und ein ebenso spielbegeisterter Spanier mitmachen, möchten vor allem fesseln und amüsieren. Und das gelingt ihnen auch, selbst wenn man sich bei dem nicht mehr ganz neuen Thema gelegentlich mehr Tiefgang und Genauigkeit wünscht, die eigentlich erst wirkliche Betroffenheit auszulösen vermögen und nicht die alten Vourteile von neuem verfestigen. (Weitere Vorstellungen heute, Samstag, um 20:30 Uhr und kommende Woche Donnerstag, Freitag, Samstag) hek.

Nachtrag:

Aus der Frankfurter Allgemeine vom 02.10.1982, »Anton in Sizilien - »I Terroni«, eine neue Theatergruppe«