Gallus Theater Programm: Theater Prozess mit Prozess Auschwitz Erinnern

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Prozess Auschwitz Erinnern

Englert, Böhlke, (c) Manfred Rössmann 

Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz

Theater Prozess

»Prozess Auschwitz Erinnern«

Film und Lesung

Donnerstag, 27.01.22, 19:00 \\\ 2G+ Regel /// Eur 8/5

Am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des KZ-Auschwitz, zeigen wir noch einmal den Film von Theater Prozess:
»Die Überlebenden der Vernichtungslager hatten die Bürde des Erlittenen für ihr weiteres Leben zu tragen. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess zwang die ZeugInnen, sich dem Prozess des Erinnerns, des Berichts, der Befragung in öffentlicher Verhandlung auszusetzen. Wir nutzen die Protokolle des Prozesses, konzentrieren uns aber auf die unterschiedlichen Formen des Erinnerns: Erinnern als Rekonstruktion, fragmentierte und zerstörte Erinnerung, abgewehrte, verformte Erinnerung, Bilder ohne Sprache, scheiternder Sprechversuch.
Auf der anderen, der Täterseite die Erinnerung als Verfälschung, Verleugnung oder Rechtfertigung, auftrumpfend oder abwehrend, larmoyant, aggressiv.
Ästhetisch nähern wir uns diesen Formen des Erinnerns mit einer Partitur aus Stimmen, Aktionen, Rauminstallation, die sich dem widersprüchlichen, in Ort und Zeit inkonsistenten dieser inneren Vorgänge anzunähern sucht. Die disparaten Ebenen der Erinnerung legen wir in dissoziierte Ebenen des Sprechens über- und nebeneinander, wie die Bruchstücke, in die der Prozess des Erinnerns an traumatisierende Vorgänge zerfallen kann.
Szenisch werden Positionen im Prozess des Erinnerns, die der Opferzeugen und die der Täter, als unvereinbar gegenüber gestellt, es gibt keinen Dialog, es wird nicht die Form des Gerichtsprozesses gewählt.« (U. Meckler)

Vorher liest Edgar M. Böhlke aus: 'Meine Ortschaft' von Peter Weiss; ein Bericht über einen Besuch in Auschwitz anlässlich des ersten Auschwitzprozesses. Der Text beginnt: »Diese Ortschaft, von der ich seit langem wusste doch die ich erst später sah, liegt gänzlich für sich. Es ist die Ortschaft, für die ich bestimmt war und der ich entkam. Ich habe selbst nichts in dieser Ortschaft erfahren. Ich habe keine andere Beziehung zu ihr, als dass mein Name auf den Listen derer stand, die dorthin für immer übersiedeln sollten. Zwanzig Jahre danach habe ich diese Ortschaft gesehen. Ich bin hierher gekommen aus freiem Willen. Ich bin aus keinem Zug geladen worden. Ich bin nicht mit Knüppeln in dieses Gelände getrieben worden. Ich komme zwanzig Jahre zu spät hierher.«

Kooperation dieser Vorführung mit VVN-BdA, deren italienischer Schwesterorganisation ANPI, das Dritte Welt Haus und U68, dem Jugendclub des DGB.

Inhaltliche Unterstützung: KunstGesellschaft Frankfurt e.V. / Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim e.V. / Gegen Vergessen - für Demokratie e.V. / Gallus Theater .
Förderung: Kulturamt Frankfurt / HMWK / Bürgerstiftung Citoyen / Holger Koppe-Stiftung

Akteure und Sprecher/Sprecherinnen: Barbara Englert, Edgar M. Böhlke, Ilja Kamphues
Komposition: Gerhard Müller-Hornbach
Solistin: Johanna Greulich
Regie, Dramaturgie: Ulrich Meckler
Editing: Rainer Brumme
Kamera: Bernd Löser
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Elisabeth Rohr (Marburg/ Frankfurt)

Kamphues, (c) Bernd Lser