Gallus Theater Programm: Nastya Dzyuban mit Emigrant Songs

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Emigrant Songs

Emigrant songs (c) Julian Sorter 

Nastya Dzyuban

»Emigrant Songs«

Performance

Donnerstag, 14.05.26, 19.00 Uhr, Eur 15/10/8

In »Emigrant Songs« verweben vier Performer*innen Stimmen, Körper und Fäden zu einer gemeinsamen Landschaft. Während ein Tarnnetz langsam Gestalt annimmt, erklingen Volkslieder, inspiriert von der Region Polissja / Palesse, die sich überlagern und Fragmente von Zuhause über Grenzen hinweg tragen. Zwischen Weben und Singen erkunden sie kulturelle Tarnung und die stillen Aushandlungen der Migration - und fragen, wie eine Stimme präsent bleiben kann, während sie nach einem Ort sucht, zu dem sie gehören kann.

Polissja / Palesse ist eine Grenzregion zwischen der Ukraine und Belarus, in der trotz imperialer Auslöschungsversuche, kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten bestehen, die Ukrainerinnen und Belarusinnen miteinander verbindet. In »Emigrant Songs« sammeln vier Performer*innen Fragmente dieser Traditionen und verweben ihre Stimmen zu einem lebendigen, atmenden Archiv. Im Zentrum des Stücks steht das Tarnnetz - ein Geflecht aus Stoff und Geschichten, aus (Un-)Sichtbarkeit und Schutz im andauernden Krieg. Auf der Bühne werden Fäden geknotet, Hände arbeiten rhythmisch, Stimmen erheben sich, Absätze beginnen zu stampfen. Wie sehr passt man sich an, um sicher zu sein? Kulturelle Camouflage wird zum Versuch, sich in neue soziale Gefüge einzufinden - die eigene Kontur weichzuzeichnen, Präsenz zu verschleiern, im Hintergrund zu verschwinden. Migration wird zu einem ständigen Tanz zwischen dem Wunsch, gehört zu werden, und der Notwendigkeit, mit der sozialen Landschaft zu verschmelzen. Zwischen Weben und Singen, Verbergen und Offenbaren, folgen die Performer*innen fragilen Wegen, um sichtbar zu bleiben, während sie nach einem Ort suchen, woher sie stammen und an dem Ort, an dem ihre Stimmen Resonanz finden.

Diese Aufführung findet in einem offen gestalteten Raum statt. Das heißt, es gibt Stühle und Kissen zum Sitzen, die an unterschiedlichen Orten des Raums verteilt sind. Man kann sich aber auch jederzeit im Laufe des Stückes frei im Raum bewegen. Im Zentrum steht ein gemeinsames Tun: das Weben eines echten Tarnnetzes, das nach der Performance an ukrainische Verteidigungseinheiten weitergeleitet wird. Sie sind herzlich eingeladen, mitzuweben - oder einfach zuzusehen. Es gibt keine Verpflichtung. Gelegentlich werden sanfte Einladungen zum gemeinsamen Bewegen/Tanzen erklingen, immer mit der Möglichkeit, auf eigene Weise dabei zu sein. Ihre Anwesenheit - in welcher Form auch immer - ist herzlich willkommen.

Nastya Dzyuban bewegt sich im und um das Feld des Tanzes und der Chroeografie. In Kiew, in der Ukraine, geboren, lebt sie derzeit in Frankfurt. Seit 2015 hat Nastya Dzyuban, meist in Zusammenarbeit mit engen Freund:innen und Kolleg:innen, ihre künstlerische Praxis entwickelt und performative Arbeiten geschaffen. Sie interessiert sich für die Schnittstellen von Theater und Choreografie sowie für die Themen Migration und Heimat und Praktiken des Gemeinsamen und Gemeinschaftlichen. 2021 war sie 'Danceweb' Stipendiatin, 2023 hat sie ihr Masterstudium in Choreografie und Performance in Gießen abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie als freischaffende Künstlerin, Choreografin, Tänzerin, Performerin, Dramaturgin, Organisatorin, Kuratorin, Mediatorin, Assistentin. Und mehr.

Von und mit: Nastya Dzyuban, Olen Mamai, Andrii Punko, Hanna Launikovich
Kostüm: Delphina O. Hennig
Holzarbeiten u. emotionale Unterstützung: Nice Karger
Kostüm: Delphina O. Hennig
Vermittlung u. Begleitung des Volksgesangs: Tetiana Illchenko, Dariia Bakalova und die Volksmusikgruppe Bozhedary
Folkloreforschung u. -beratung: Andrii Punko
Sound Design: Hanna Launikovich
Fotos: Julian Sorter

Emigrant songs (c) Julian Sorter Emigrant songs (c) Julian Sorter