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Audienz und Vernissage

Audienz

Daedalus Company

»Audienz und Vernissage«

von Václav Havel / aus der Vanek-Trilogie

Donnerstag, 20.6.13 20.00 Eur 15/11

Die Daedalus Company bringt - nach der erfolgreichen Premiere von »Protest« im Januar - in einer kombinierten Aufführung nun auch die Einakter »Audienz« und »Vernissage« der Vanek-Trilogie bei uns heraus.

Die Hauptfigur Vanek ist ein leiser unaufdringlicher Held, der seine Mitmenschen auch in ihrer Verbiegung akzeptiert und im Grunde für sich das Selbe vergeblich erhofft. Gerade weil Havel durch Beschreibung und nicht durch Anklage die Zustände offenlegt, zeigt sich die Deformation, die Selbstzensur und vorauseilender Gehorsam bei Menschen anrichtet. Dem 'Sehenden' bleibt in einer solchen Situation oft nur Isolation, Flucht oder Wahnsinn. (Rowohlt Verlag)

Vanek, Bühnenautor und zur Existenzsicherung als Hilfsarbeiter in einer Brauerei tätig, wird zur »Audienz« beim Braumeister gerufen. Für eine bessere Stelle als Lagerverwalter soll der Schreibprofi zukünftig Spitzelberichte verfassen. Es entspinnt sich ein umgarnendes Spiel, während dessen der Braumeister alle Mittel zum Einsatz bringt, um an sein Ziel zu kommen. Die Inszenierung überträgt die Situation in »Audienz« auf unsere heutige Zeit und thematisiert die aktuell in der Öffentlichkeit äußerst kritisch diskutierte Videoüberwachung von Mitarbeitern bekannter Discounterketten.

Von einem befreundeten Ehepaar wird Vanek zur »Vernissage« der neu eingerichteten Wohnung eingeladen. Eheglück, häusliche Zufriedenheit, Lebensmittel mit Biosiegel und Elternstolz werden ebenso vorgeführt wie ein barocker Beichtstuhl im Wohnzimmer und die neuesten Naturholzmöbel, alles ökologisch korrekt. Mit ungewöhnlichen Mitteln versucht das Paar, ihren Freund Vanek, den kinderlosen Künstler, Ehemann und Hilfsarbeiter, zu überreden, sich von seinen politisch unbequemen Schriftsteller- und Schauspielerfreunden zu trennen, um selbst in den Genuss dieser 'Lebensfreuden' zu kommen. Die Inszenierung nimmt kritisch Bezug auf den gesellschaftlich zu beobachtenden aktuellen Trend im Umgang mit Produktmarken und der damit verbundenen inszenierten Außendarstellung der eigenen Person. Doch schaut man unter diese politisch korrekte Fassade, entlarvt sich oft ein tiefgehender Selbstbetrug!

Die Uraufführung beider Werke fand am 09.10.1976 im Akademietheater des Wiener Burgtheaters unter der Regie von Vojtech Jasný statt.Übersetzt wurden »Audienz« und »Vernissage«, wie auch »Protest«, vom mehrfach preisgekrönten Satiriker Gabriel Laub.

Zur Premiere schrieb Astrid Biesemeier in der FNP: »Regisseurin Regina Busch zeigt in gut getimten, wiederkehrenden (hohlen) Floskeln nicht nur die Absurdität, sie spürt auch die feine Bissigkeit Havels auf, wenn sie die Sitzgelegenheiten um- und auseinanderkippen lässt, nachdem gesagt wurde "Wir denken, dass der Mensch so lebt, wie er wohnt."« (6.5.13)

»Wenn Ferdinand Vanek seine Mitmenschen trifft, geht es ihm wie Dostojewskis Idioten. So wie Fürst Myschkin mit seiner unwiderstehlichen Gutherzigkeit die Aggressionen auf sich zieht, so stürzt der schlichte und wortkarge Auftritt des oppositionellen Außenseiters, ohne dass er dies bezweckte, seine Gegenüber regelmäßig in peinliche Nöte und entblößt sie beschämend. Wie ein Lackmustest der moralischen Integrität wirkt die Figur des Literaten, ein Alter Ego ihres Schöpfers Vaclav Havel. Dieses Mal gibt Pedro Stirner den so grauen unscheinbaren Antihelden, der die Katastrophen, die er unwillentlich auslöst, kommen sieht und gerne vermeiden würde. Sein gedrosseltes Spiel mit Fluchtaugen-Blick überlässt seinen Partnern bereitwillig die Bühne - zur Blamage. Mario Krichbaum gelingt das als Braumeister besonders gut: Laut und leicht vulgär entpuppt sich sein Protz im knallgelben Aufschneider als kläglicher Hanswurst, während die tatsächlich verheirateten Lockrufer Julia und Björn Breckheimer als Eva und Michael wie konditionierte Kunstfiguren aus einem Future-Film am Rande des Slapsticks agieren.« (Winnie Geipert, Strandgut Juni13)

Vernissage mit: Julia Breckheimer, Björn Breckheimer, Pedro Stirner
Audienz mit: Mario Krichbaum, Pedro Stirner
Regie: Regina Busch
Ausstattung: Laura Robert
Sound/ Fotos: Frank Marheineke
Licht: Jan Hartmann
Dramaturgie: Lynnette Polcyn

Karten: Voll 15,00 Euro
Karten: Erm. 11,00 Euro

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